Ob für den besten Freund, die Schwester oder einen besonderen Menschen: Mit einem Buch liegt man immer richtig. Unser November #lesenswert bringt Inspiration für jeden Geschmack – von humorvollen Essays wie Axel Hackes „Über die Heiterkeit in schwierigen Zeiten“, über spannende Geschichten wie Leonie Schölers „Beklaute Frauen“ bis hin zu Klassikern wie „Beloved“ von Toni Morrison. Entdecken Sie Bücher, die bewegen, begeistern und garantiert das perfekte Geschenk sind!
Leonie Schöler, Beklaute Frauen, Penguin Random House Verlagsgruppe. 416 Seiten ISBN: 978-3-328-60323-8, 22 EUR
Im Buch ›Beklaute Frauen‹ hat die Historikerin und Journalistin Leonie Schöler Frauen unserer Geschichte in den Fokus gerückt, die talentiert oder sogar erfolgreich waren, jedoch allein durch die Tatsache, dass sie Frauen waren, benachteiligt wurden oder letztendlich auch scheiterten. Das Buch handelt überwiegend von Frauen, die heute eher unbekannt sind, stellt aber auch Ehefrauen und weibliche Familienmitglieder von weltbekannten Männern vor. Ein Beispiel wäre Karl Marx, der seine Tochter Eleanor für seine eigene Arbeit vereinnahmte und sie von ihren eigenen Zielen abhielt, oder Bertolt Brecht, der weniger zur ›Dreigroschenoper‹ beitrug als Elisabeth Hauptmann, die ›mit‹ ihm daran arbeitete. Aber wer kennt die Namen Elisabeth Hauptmann oder Eleanor Marx heute noch? Die allerwenigsten.
Man lernt viel über Geschichte, Sexismus, Feminismus und Rassismus sowie die unterschiedlichen Problematiken der damaligen und heutigen Gesellschaft. Denn die Autorin geht nicht nur auf geschichtliche Aspekte ein, sondern erklärt auch, warum diese Themen heutzutage noch von großer Bedeutung sind. Gelegentliche Anekdoten aus ihrem eigenen Leben zeigen, wie real die geschilderten Situationen sind und dass diese alltäglich vorkommen. All diejenigen, die sich für dieses Thema interessieren oder sich schon gefragt haben: ›Warum gibt es Feminismus (immer noch)?‹, sollten dieses Buch lesen. Eine empfehlenswerte Geschenkidee!
Plädoyer gegen das Verzagen
Axel Hacke: Über die Heiterkeit in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wichtig uns der Ernst des Lebens sein sollte. Dumont Verlag. 224 Seiten. ISBN: 978-3-8321-6808-7, 20 EUR
Wie funktioniert das nun mit der Heiterkeit? Wo kommt sie her, wie kann ich sie zum Bleiben überreden? Gibt es unangebrachte Momente für die Heiterkeit? Und hat Heiterkeit ihren Preis? Axel Hacke gibt bemerkenswerte Einblicke in eine Gefühlsregung, die alle kennen, die nur wenige dauerhaft ausstrahlen und von der man nicht genug haben kann. Er beschäftigt sich damit, wieso Heiterkeit vielleicht einer Leichtigkeit bedarf, die der sprichwörtliche Ernst des Lebens manchmal nicht zulässt. Mal intuitiv, mal überraschend und voller Denkanstöße, die zum Hinterfragen der eigenen Ansichten und Gefühle anregen. Hacke hangelt sich auf unterhaltsame Art und Weise in diesem Buch von Kapitel zu Kapitel und hinterlässt damit ein Werk, das für viele eine Bereicherung sein wird. Wir lernen: Ein heiterer Mensch zu sein, bedeutet nicht, das Schwere zu ignorieren, sondern es in etwas Leichtes zu verwandeln. Wie dieses Kunststück zu vollbringen ist, verstehen wir nach dieser Lektüre nun besser.
König von Albanien
Andreas Izquierdo: König von Albanien. DuMont Buchverlag. 512 Seiten. ISBN: 978-3-8321-6692-2; 15 EUR
Salzburg 1913. Als angehender Arzt im Haus für unruhige Männer hat es Alois Schilchegger mit allerhand Sonderlingen zu tun. Aber Otto Witte, der von sich behauptet, König von Albanien zu sein, und mit seinen Geschichten alle in seinen Bann zieht, treibt ihn besonders zur Weißglut. Aus der anfänglichen Irritation des Doktoranden wird jedoch nach kurzer Zeit Faszination. In nächtlichen Sitzungen entführt ihn Otto beredt in die Welt des Osmanischen Reichs und erzählt, wie es dazu kam, dass ein Herumtreiber aus dem Deutschen Kaiserreich zum Monarchen des schwer umkämpften Albanien wurde. Andreas Izquierdo liefert mit diesem Roman eine höchst unterhaltsame Hommage an die Kunst des Hochstapelns: »Es sind immer die anderen, die aus dir einen Helden oder einen Trottel machen« – oder gar den König von Albanien.
Die Narben der Freiheit
Toni Morrison: Beloved, Rowohlt Buchverlag.444 Seiten, ISBN: 978-3-498-00509-2; 28 EUR
Selbst nach der rechtlichen Abschaffung der Sklaverei lebt der Schaden, den sie hinterlassen hat, weiter – nicht nur in den Körpern, sondern auch in den Seelen der Überlebenden. In ›Beloved‹ erzählt Toni Morrison die Geschichte von Sethe, einer ehemaligen Sklavin, die verzweifelt versucht, ihre traumatische Vergangenheit hinter sich zu lassen. Doch die Wunden der Vergangenheit drängen sich unausweichlich in ihre Gegenwart.
Sethe lebt mit ihrer Tochter Denver in einem von Schuld und Schmerz durchdrungenen Haus, das von dem Geist ihrer ermordeten Tochter Beloved heimgesucht wird. Dieser Geist symbolisiert nicht nur Sethes Schuldgefühle und die Vergangenheit, sondern auch das unermessliche Leid aller, die unter der Sklaverei litten. Die Tat, die Sethe so schwer belastet – die Ermordung ihrer eigenen Tochter, um sie vor einem Leben in Knechtschaft zu bewahren – wird zur zentralen Metapher für die Entscheidungen, zu denen die Sklaverei ihre Opfer zwang.
Morrisons Roman bewegt sich meisterhaft zwischen Realität und Magie. Ihre poetische Sprache verwebt harte historische Fakten mit einem Symbolismus, der fast greifbar ist. Der Charakter Beloved wird dadurch zur Verkörperung der verlorenen Stimmen und zum Sinnbild für die Wunden, die selbst nach rechtlicher Abschaffung der Sklaverei nie verheilen. Die Trennung von Familien, sexuelle Gewalt und die Verweigerung, schwarze Menschen als Menschen zu sehen – all diese Gräuel werden in der Geschichte nicht nur erinnert, sondern durchlebt.
Eine lustige Frau? Das gibts ja gar nicht!
Becker, Giulia: Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes. Rowohlt Verlag. 224 Seiten. ISBN: 978-3-498-00203-9; 22 EUR
Giulia Becker führt ein bewegtes Leben. Da will sie nur mal ein paar entspannte Tage im Thermenhotel die Seele baumeln lassen und wird prompt für die Hausmeisterin gehalten. Was solls – das eine flackernde Licht ist schnell ausgetauscht. Und wo sie gerade schon mal dabei ist, kann sie ja auch noch schnell die ein oder andere quietschende Tür ölen. Ein anderes Mal wird Giulia versehentlich nach Ladenschluss bei ›MediaMarkt‹ eingeschlossen. Aber sie macht das Beste daraus. Das ist doch die Gelegenheit, um einfach mal alle Kaffeemaschinen zu testen, die es gerade so auf dem Markt gibt! In ihrem neuen Buch ›Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes‹ spielt der vielleicht lustigste Mensch Deutschlands gekonnt mit der Autofiktion und schreibt über Themen, die die Leute bewegen: den Tod, die Suche nach der passenden Therapeutin und natürlich ›Das perfekte Dinner‹ von VOX. Das Ergebnis ist ein Sammelsurium an Absurditäten. Wer nach der Lektüre mehr von Giulia möchte, dem legen wir stark ihren Podcast ›DRINNIES‹ ans Herz.
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