
Ivana Matić ist 1986 in Serbien geboren und wanderte später nach Deutschland aus. Die Künstlerin hat an der Mainzer Kunsthochschule studiert und lebt und arbeitet bis heute in Mainz. Im Jahr 2017 gewann sie den Bundespreis für Kunststudierende, 2018 den Preis zur Förderung Mainzer Bildender Künstlerinnen und Künstler. Im November wird ihr Werk auf der Ausstellung ›Entre ligne et couleur‹ im Institut français in Mainz zu sehen.

Frau Matić, auf Ihrer Webseite verwandelt sich der Mauszeiger beim Bewegen in einen digitalen Pinsel und hinterlässt eine schwarze Linie. War es Ihr Ziel, die Besuchenden so selbst zu Künstlern werden zu lassen?
Das Design der Webseite stammt von Veronika Obenauer, einer sehr talentierten Grafikdesignerin. Auch die Idee mit der Linie geht auf sie zurück. Ich kann mir gut vorstellen, dass das das Ziel war.
In Ihrer Jugend haben sie den jugoslawischen Bürgerkrieg miterlebt. Im Rahmen Ihrer Ausstellung in der Wiesbadener Bergkirche sprachen sie davon, dass dabei ›die Einen zu den Anderen‹ wurden, was sie bei ihrer Auswanderung nach Deutschland von Neuem erleben mussten. Haben diese Erfahrungen mit dem Anderssein und die Frage nach Identität ihre Kunst stark beeinflusst?
Auf jeden Fall. Diese Erfahrungen nehme ich mit durchs Leben, sie haben mich geformt, sind Teil meiner Identität und zeigen sich immer wieder in meiner Kunst, direkt oder indirekt.

Heute leben und arbeiten sie schon seit ihrer Studienzeit in Mainz. Fühlen sie sich in dieser Stadt besonders angekommen?
Mainz ist für mich eine ganz besondere Stadt. Hier leben viele meiner Freunde und viele davon habe ich wiederum in Mainz kennengelernt. Im Laufe der Zeit ist hier ein starkes berufliches und persönliches Netzwerk entstanden. Also ja, Mainz ist mein Zuhause.
Ihr Wahlmedium ist die Zeichnung, insbesondere die Kohlezeichnung. Was fasziniert sie besonders an dieser Methodik?
Zeichnung war immer das Medium, in dem ich mich am wohlsten gefühlt habe. Mit der Zeit habe ich entdeckt, was alles mit diesem Medium möglich ist, und immer wieder neue Wege gefunden, sie neu zu erleben. Kohle ist aber meine Lieblingstechnik, wahrscheinlich wegen der Dunkelheit und der Struktur, die sie hinterlässt. Dieses düstere, bedrückende Gefühl, das eine Kohlezeichnung erzeugt, mag ich besonders.

Bei den Motiven, die sie wählen, handelt es sich oft um Alltägliches. Was ist es, das sie an dieser Motivwahl besonders reizt?
Die Motive, die ich auswähle, sind sehr intim. Ich würde es als ein Gefühl beschreiben, das mich beim Beobachten von etwas überkommt. Dieses Gefühl packt mich und bleibt so lange, bis es Ausdruck findet. Es ist mein Alltag, meine Erfahrungen, meine Gefühle, die ich in dieser Zeit erlebe.
Vielen Dank für das Gespräch.
Ig: @_ivanamatic
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