
Symposium 2025: Gender, Altern und Film
Das diesjährige Symposium welches im Rahmen des Festival stattfindet beleuchtet die Darstellung des Alterns im europäischen Kino und vergleicht Entwicklungen in West- und Zentraleuropa. In Kooperation mit dem Forschungsprojekt „AGE-C: Ageing and Gender in European Cinema“ und der Goethe-Universität Frankfurt, gefördert von der Volkswagen Stiftung, bringt es Expert:innen und Publikum in Wiesbaden zusammen.Die Vorträge und Diskussionen finden im Alten Gericht statt, das begleitende Filmprogramm mit modernen Klassikern und zeitgenössischen Werken im Murnau Filmtheater.

»Revenge of the Babushka«
Der RheinMain Kurzfilmpreis geht unter dem Motto »Revenge of the Babushka« in die sechste Runde. „Babuschka“ (oder „baba“, „bunica“, „bebia“ in anderen osteuropäischen Sprachen) hat einen ganz besonderen Ruf. Die osteuropäische Großmutter ist häufig nicht nur ein Familienmitglied – in vielen Märchen ist sie oft die heimliche Heldin der Geschichte und hat eine nicht zu verleugnende Kraft. Für den Kurzfilmpreis 2025 suchte goEast Kurzfilme aus den vergangenen drei Jahren aus Mittel- und Osteuropa, in denen ältere Frauen – vor oder hinter der Kamera – im Mittelpunkt stehen. Eine regionale Jury, bestehend aus Filmschaffenden aus dem Rhein-Main-Gebiet, entscheidet über den Gewinnerfilm, der mit 2.500 Euro prämiert wird. Nach dem Festival wird das Kurzfilmprogramm traditionell auf Tournee durch die Region gehen.

»Sexualität und Liebe im Alter sind immer noch Tabuthemen«

Heleen Gerritsen – seit 2017 Leiterin des goEast-Festivals, ab Juni die Künstlerische Direktion der Stiftung Deutsche Kinemathek, einer der führenden Filmerbe-Einrichtungen Europas an.
© Markus Müller
Das goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films wird zum letzten Mal von Heleen Gerritsen kuratiert. Ein Interview mit Miriam Becker.
Warum rückt das Festival Frauen ins Zentrum?
Wir hatten schon immer den Blick auf Frauen gerichtet und häufig die Hommage als zentralen Programmpunkt ihre Leuchtkraft zu zeigen genutzt. goEast hatte schon großartige Filmemacherinnen zu Gast in Wiesbaden: Kira Muratova aus der Ukraine, Agnieszka Holland aus Polen, Marta Mészáros und Ildiko Enyedi aus Ungarn, Lana Gogoberidze aus Georgien. Das Thema »Altern und Gender im Europäischen Kino« wurde uns von der Goethe Universität Frankfurt am Main zugetragen und wir haben sie natürlich aufgegriffen. Gemeinsam mit Universitäten aus ganz Europa wie Paris, Trieste, Cluj, führt die Universität ein Forschungsprojekt durch, und unser diesjähriges Symposium schließt sich daran an. Die Frage danach, wie Frauen in den Medien repräsentiert werden – vor allem ältere Frauen – ist natürlich nicht neu. In Deutschland beschäftigt sich beispielsweise die Malisa Stiftung von Maria und Elisabeth Fürthwangler damit. Aber uns hat auch der europäische Vergleich interessiert. Es wird Vorträge geben, aber vor allem ist ein sehr schönes Filmprogramm entstanden, indem unterschiedliche Aspekte des Älterwerdens, aber auch verschiedene Formen von Weiblichkeit gezeigt und gelebt werden. Sexualität und Liebe im Alter, zum Beispiel, sind immer noch ein Tabuthemen – der ungarische Film ›STREAM OF LOVE‹, oder auch der Film ›VIKA!‹ über eine polnische DJane sind zwei Filme in unserem Programm, die humorvoll mit Klischees und Vorurteilen aufräumen.
Manchen Frauen vergeht jedoch das Lachen. Davon zeugen Titel wie „Die Rache der Babushka“. Was erwartet uns da?
Auch dieser Film ist in diesem Kontext zu verstehen – ältere Frauen sind, in Vergleich zu anderen demografischen Gruppen, auf der Kinoleinwand unterrepräsentiert. Merkwürdigerweise ist es fast schon revolutionär, ein komplettes Programm nur mit alten Hauptfiguren zu kuratieren! In manchen Kurzfilmen im Wettbewerb kämpfen ältere Frauen wortwörtlich – zum Beispiel gegen Vladimir Putin. In verschiedenen Filmen wird das Bild der »alten Hexe« aufgegriffen und umgedeutet. Aber auch die Weisheit im Alter, und das Versöhnliche werden zum Motiv. Zum Beispiel in dem Kurzfilm »Alone. Together«, wo eine ältere tschechische, alleinlebende Frau an einem regnerischen Tag spontan eine chinesische Backpackerin, die sich in ihrem Dorf verirrt hat, bei sich zu Hause aufnimmt, obwohl die beiden einander überhaupt nicht verstehen.
In VivArt Lebenszeit #12, die im Mai erscheint, geht es um Resilienz, ich nenne es Superkraft. Was tun Sie, um in anstrengenden Zeiten bei Kräften zu bleiben?
Als sie noch gelebt hat, habe ich meine Großmutter angerufen! Jetzt schöpfe ich Kraft aus Gesprächen mit Freundinnen und Freunden, gerne auch bei einem Spaziergang in der Natur. Und mein Morgenritual ist mir wichtig: sobald die Temperaturen es zulassen, verbringe ich die ersten 30 Minuten nach dem Aufstehen auf meinem Balkon in der Sonne, trinke da meinen Kaffee und bereite mich auf den kommenden Tag vor.
Weitere Infos zum Programm des goEast Festival finden sie unter: www.filmfestival-goeast.de
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