
Teppiche sind für gewöhnlich stummes Inventar. In der zeitgenössischen Kunst werden sie jedoch zu lauten Stimmen des Widerstands: Mit traditionellen Techniken und Materialien erzählen Künstlerinnen und Künstler von politischem Protest, individuellen und kollektiven Traumata und gesellschaftlichen Machtverhältnissen und stellen dabei auch die Hierarchien von Kunst selbst infrage.
Ausstellung ›Wolle. Seide. Widerstand.‹ im Museum Angewandte Kunst
In einer Zeit, in der sich das Interesse an handgefertigten Textilien aller Art in einer auffallenden Zahl an internationalen Ausstellungen widerspiegelt, widmet sich das Museum Angewandte Kunst mit der Ausstellung ›Wolle. Seide. Widerstand.‹ erstmals nach 45 Jahren wieder ausschließlich dem Thema Teppich.
Textile Kunst zwischen Tradition und radikaler Gegenwart
Seit dem 7. Februar und noch bis zum 24. Mai werden Teppiche internationaler, zeitgenössischer Künstler und Künstlerinnen präsentiert, die sich mit Themen des politischen Widerstands, individueller und kollektiver Resilienz sowie Resistenz befassen. Ihr Widerstand richtet sich gegen Traditionalismus, gegen ungerechte Herrschaftsordnung und Machtausübung, gegen Diskriminierung und Rassismus, thematisiert Traumata oder Umweltzerstörung. Diese Teppiche funktionieren erstaunlicherweise als Vehikel für gesellschaftspolitischen Kommentar. Zudem sprengen sie in der tradierten Medialität beziehungsweise ihrer Textur mitunter radikal die Grenzen ihrer Flächigkeit; sie wagen sich ins Dreidimensionale und entfalten als textile Skulpturen immersive Erfahrungsräume.

Teppiche als politische Skulpturen und Ausdruck textilen Widerstands
Die ausgezeichnet kuratierte Ausstellung animiert also dazu, Teppiche nicht aus einem rein stilgeschichtlich westlichen Blickwinkel zu betrachten, sondern offen für die Modernität dieses uralten Knüpfhandwerks zu werden. Kuratorin Dr. Katharina Weiler bietet mit ›Wolle. Seide. Widerstand.‹ einen erfrischend neuen Diskurs, indem sie Fragen nachgeht, wie Widerstandsvitalität durch textile Materialien artikuliert werden kann und auf welche Weise gerade Teppiche eine eigene ›Ästhetik textilen Widerstands‹ verkörpern können.
Internationale Künstlerinnen und Künstler des textilen Widerstands
Im Zentrum der Ausstellung stehen internationale Positionen des frühen 21. Jahrhunderts, darunter Arbeiten von Faig Ahmed, Diedrick Brackens, Johannah Herr, Jan Kath, Baseera Khan, Alexandra Kehayoglou, William Kentridge, Noelle Mason, Otobong Nkanga, Tobias Rehberger, Erin M. Riley, Tsherin Sherpa, Rose Stach, Nasan Tur und Jeroen van den Bogaert. In all ihren Werken begreifen diese Kunstschaffenden den Teppich als offenes Kunstobjekt und nutzen ihn, um unterschiedliche Formen von Widerstand sichtbar zu machen; sei es auf persönlicher, gesellschaftlicher, politischer oder geografischer Ebene. Dadurch erhalten die Besuchenden vielschichtige und spannende Einblicke in die ästhetischen, materiellen und inhaltlichen Potenziale textilen Widerstands.

VivArt Service
Wolle. Seide. Widerstand.
Bis 24. Mai 2026
Museum Angewandte Kunst
Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt am Main
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