
mit einer Radierung von Georg Jahn — Jahresgabe des Sächsischen Kunstvereins 1904, Druck durch Wilhelm Hoffmann AG Dresden
Georg Lührig (1868–1957) ist heute ein fast vergessener Künstler. Seine Wiederentdeckung ist überfällig, da stimmen wir dem Hessischen Landesmuseum unbedingt zu. Zusammen mit Hans Unger, Sascha Schneider, Oskar Zwintscher und Richard Müller trieb er den Jugendstil und Symbolismus in Deutschland besonders meisterlich voran.
Georg Lührig zwischen Jugendstil, Symbolismus und Experiment
Die Bandbreite seiner Sujets und beherrschten Malmittel war enorm: Lührig experimentierte in Landschaften, Tierdarstellungen und Porträts mit Kohle, Bleistift, Aquarell und Lithografie. Der Sohn eines Fotografen ließ sich nach dem Gymnasium in Göttingen zunächst als Lithograf ausbilden; bereits als Dreißigjähriger gilt er als der Erneuerer dieses Metiers in Deutschland. Fürs Studium ging er zwar an die Akademie der Bildenden Künste nach München, dennoch wird das Elbflorenz sein Wirkungsort, an dem er drei Jahrzehnte lang arbeitet und lehrt.

Monumentale Wandbilder und verlorene Meisterwerke
Berühmt wurden seine monumentalen Wandbilder für öffentliche Gebäude, die leider wie auch viele wichtige Fresken von Gustav Klimt in Wien im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Dank eines umfangreichen Nachlasses, den Lührigs Erben dem Museum übergaben, ließ sich deren prächtiger Anblick nun jedoch über Vorzeichnungen und Ölstudien rekonstruieren. Begleitet von digitaler Animation stehen sie nun im Mittelpunkt der Ausstellung, die seit dem 22. Mai im Museum Wiesbaden zu sehen ist. Da Frauen bis 1907 nicht zum Studium an der Königlichen Kunstgewerbeschule in Dresden zugelassen waren, erteilte Georg Lührig Privatunterricht und lernte darüber seine spätere Gönnerin Prinzessin Lucie von Schönburg-Waldenburg kennen, die ihn für längere Aufenthalte nach Rumänien auf ihr Schloss Fântânele einlud, um ihre Kinder im Zeichnen zu unterrichten.
Rumänien inspirierte Georg Lührigs Werk nachhaltig
Ein weiteres Highlight der Ausstellung bilden dementsprechend Lührigs Werke aus Rumänien, die von 1897 bis Ende der 1920er-Jahre entstanden: Bislang unveröffentlichte Papierarbeiten, Lithografien, Radierungen und Aquarelle bestätigen einmal mehr die Meisterschaft dieses Künstlers, der von Kindheit an vom Zeichnen besessen war.
Ein bescheidener Künstler mit großer Wirkung
Trotz der Anerkennung zu Lebzeiten blieb Lührig vergleichsweise bescheiden und verstand sich ungeachtet der umfassenden akademischen Ausbildung zeitlebens als Autodidakt – eine Haltung, die auch seine Lehrtätigkeit an der Dresdner Kunstakademie charmant prägte.

Jugendstil und Symbolismus Georg Lührig: Ein Meister aus Dresden
Noch bis 17. Januar 2027
Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2 65185 Wiesbaden
Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr, Sa & So 10—17 Uhr Do 10—21 Uhr Mo geschlossen
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