Freunde brauchen Freunde!

VivArt im Gespräch mit Dr. Gabriele Volmer vom Freundeskreis für das Hessische Staatsballett über die Systemrelevanz von Kulturschaffenden, die Präsenz von Tanz und Ballett in der Öffentlichkeit und was Freunde dazu leisten können, die Sichtbarkeit zu verbessern.

Foto: Regina Brocke

Liebe Frau Dr. Volmer, in unserer Winterausgabe interessieren wir uns dafür, was anders werden müsste, damit es in Zukunft wieder besser wird. Hätten Sie einen Vorschlag? Und warum braucht ein Staatstheater ›Freunde‹?

Zurück in die Zukunft kann nicht einfach zurück in die Vor-Pandemie- Normalität bedeuten. Wir sollten gemeinsam eine ›neue, andere‹ Zukunft erarbeiten. Für die Kultur wäre das hoffentlich eine Zukunft, in der sie sowohl von der Politik als auch von uns Bürgern endlich als systemrelevant und nicht als bloßes Freizeitvergnügen eingestuft wird. Unsere Gesellschaft sollte sich zukünftig bewusst sein, dass Kultur einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung und zum Erhalt einer pluralistischen und friedvollen Gesellschaft leistet. Insofern braucht Kultur unsere Wertschätzung. Und Rahmenbedingungen, die verhindern, dass freischaffende Künstler in dieser Pandemie-Situation in Existenznot geraten. Nicht nur an den Staatstheatern brauchen Kulturschaffende eine Lobby und als solche verstehen wir uns vom Verein der Freunde des Hessischen Staatsballetts. Freundeskreise versuchen, gerade jüngere Menschen an Kultur heranzuführen, indem sie Blicke hinter die Kulissen und persönliche Begegnungen mit Kunstschaffenden ermöglichen. Sie geben Finanzhilfe bei Projekten, die nicht aus bestehenden Budgets zu leisten sind, und engagieren sich in der Nachwuchsförderung. Diese Nähe zwischen Publikum und Institution können Freundeskreise im beiderseitigen Interesse schaffen, und sie erhöhen die Sichtbarkeit einer Kunstform wie das Ballett oder eines Staatstheaters allgemein.

Apropos, Sie engagieren sich ehrenamtlich für das Wiesbadener Ballet und vergaben zuletzt sogar ein Stipendium? Warum gerade Ballett? 

Tanz und Ballett haben mich unter allen Sparten am Theater schon immer am meisten fasziniert. Tanz ist die Sprache des Körpers, in allen Kulturkreisen und unter allen Menschen jeden Alters, jeder sozialen und ethnischen Herkunft. Sie lässt den Zuschauern genügend Raum für Fantasie und Assoziationen, engt nicht ein, sondern weitet den Blick. Bei einem Partizipationsprojekt, bei dem auch ich den kreativen Entstehungsprozess einer Choreografie und den achtsamen Umgang der Ballettcompagnie untereinander sowie überhaupt die Arbeit des Balletts kennenlernen durfte, wurde der Beschluss gefasst, einen Freundeskreis für das Hessische Staatsballett zu gründen, um die Arbeit dieser wunderbaren Compagnie weiter zu unterstützen. Es ist uns wichtig, der Sparte Tanz und Ballett an den beiden Staatstheatern in Wiesbaden und Darmstadt über die Kulturschaffenden hinaus eine Stimme zu geben und uns für den Tanznachwuchs einzusetzen.

Foto: Regina Brocke

Warum sollte sich man als junger Mensch für das Ballett entscheiden?

Diese Frage beantworte ich gern mit den Worten von Merle Marie Zimmer, unserer ersten jungen Stipendiatin, die im Oktober 2021 ihr dreijähriges Tanzstudium in Berlin aufnahm:

›Die Motivation junger Menschen, Ballett zu treiben, liegt in erster Linie in der großen Freude am Tanz. Wenn man erst einmal in das Ballett eintaucht, stellt man fest, dass die Kunstform weit mehr bietet als gängige Klischees. Für mache Tänzer*innen mag sie zum Zufluchtsort werden von innerlichem als auch äußerlichem Stress. Ein Ort, an dem sie sich zugehörig fühlen und sich selbst nahe sind. Bewegung, körperliche Nähe und Berührung, die durch zunehmende Digitalisierung weniger alltäglich werden, werden im Tanz auf besonderer Art und Weise erforscht. Vertrauen und physischer Kontakt bekommen eine neue Bedeutung. Der physische Anspruch wird verbunden mit der Möglichkeit, sich auf kreative Weise auszudrücken und sich künstlerisch zu entfalten. Doch darüber hinaus werden Fähigkeiten geschult, die genau jetzt wichtiger sind denn je. Der kognitive Anspruch ist hoch – Ballett ist verbunden mit einem hohen Maße an Konzentration und Aufnahmefähigkeit. Es ist von Bedeutung von Anfang bis Ende im Moment zu bleibe, präsentiert und achtsam zu sein. Wir werden heutzutage rund um die Uhr mit Reizen überflutet und geben unsere Fähigkeit, uns mit Bewusstsein und Aufmerksamkeit einer Sache zu widmen, mehr und mehr ab. Im Ballett halten wir daran fest. Die körperliche Beanspruchung ist zwar enorm, doch mit dem Versprechen an sich selbst, die Herausforderung anzunehmen, wird ein hohes Maß an Disziplin und Durchhaltevermögen zur Eigenschaft, die auch in dem Leben nach der eher kurzen Tänzerlaufbahn wichtig ist.‹

Das Ensemble macht einen großartigen Job. Bekommt es dafür die Anerkennung, die es braucht, um erfolgreich in die Zukunft zu tanzen?

Unsere Ballettcompagnie, das Hessische Staatsballett, besteht aus einem 40-köpfigen internationalen Team und setzt unter Ballettdirektor Bruno Heynderickx ein innovatives und ambitioniertes Konzept um, das dem Publikum sowohl Eigenproduktionen als auch Gastspiele und den Tänzern Arbeitsmöglichkeiten mit renommierten Choreografen bietet. Diese Offenheit für Stile und Ästhetiken ist nahezu einzigartig, und beide Städte können sich glücklich schätzen, dass die Sparte Tanz und Ballettan ihren Staatstheatern so professionell und mit überregionaler Strahlkraft präsent ist. Allerdings scheinen immer noch zu wenige Menschen in der Region zu wissen, dass wir überhaupt eine eigene Ballettcompagnie haben. Es ist unsere Aufgabe, dies besser zu vermitteln.

HESSISCHES-STAATSBALLETT.DE


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