
In meiner Mittagspause mache ich wie jeden Tag einen Spaziergang durch Wiesbadens schönsten Stadtpark – den Nerotalpark. Die Strecke ist mir wohlvertraut und doch komme ich nicht umhin, meine Umwelt mit anderen Augen zu sehen als noch kurz zuvor. Am Ende der Taunusstraße werde ich von einem schön gestalteten Platz empfangen, in dessen Mitte ein Kriegerdenkmal steht. Früher habe ich diesem Denkmal nie große Beachtung geschenkt.
Doch seit der Lektüre von ›Wiesbadener Erinnerungen‹ weiß ich, dass es an die Gefallenen der nassauischen Infanterieregimenter Nummer 87 und 88 im Krieg gegen Frankreich 1870/71 erinnert. Nachdem ich das Denkmal passiert habe, bin ich auch schon im Nerotalpark angekommen. Als »beinahe zu schön« hat ein Kollege den Park einmal bezeichnet. Schon immer hat er mich an die pittoresken englischen Gärten erinnert, die ich bei Besuchen in der britischen Hauptstadt kennen- und lieben gelernt habe.
Aus ›Wiesbadener Erinnerungen‹ weiß ich, dass diese Ähnlichkeit kein Zufall ist, sondern der Nerotalpark diesen Vorbildern bewusst nachempfunden wurde. Besonders die herrlichen, frei wachsenden Solitärbäume, die das Gerüst des Parks bilden, fallen gleich ins Auge. Dazu gesellen sich zahlreiche Blütengehölze, die den Park besonders im Frühjahr mit wunderschönen Farbtupfer verschönern, bei denen man meinen könnte, Monet persönlich habe sie in die Landschaft gemalt. Ich weiß nun auch, dass der Park im späten 19. Jahrhundert angelegt wurde, um Wiesbadens Besuchenden adäquate Kuranlagen zu bieten. Bis heute ist er ein wunderbarer Ort der Ruhe und Erholung, finde ich.
Wenn Sie Ihre Spaziergänge durch das Nerotal und den Stadtwald ebenfalls mit spannenden Infos anreichern möchten, empfehle ich Ihnen die Lektüre des Kapitels ›Vom lieblichen Wiesental bis zur Erlebnismulde‹ von Hildebert de la Chevallerie in ›Wiesbadener Erinnerungen‹. Ein Tipp fürs Spazierengehen: Hören Sie sich Kapitel kostenlos an – einfach QR-Code scannen!

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