
Ihr Gabriel-Glas ist in vielerlei Hinsicht ein Unikat. Eine einzige Glasform für alle Weine – egal ob Rotwein, Weißwein oder Rosé –, das ist sehr ungewöhnlich und das genaue Gegenteil von dem, was man allgemein in der gehobenen Gastronomie erlebt, wo gefühlt fast jeder Wein sein eigenes Glas erhält. Was ist die Philosophie dahinter?
Vor allem die gehobene Gastronomie hat da in den letzten Jahren viel dazugelernt und setzt vermehrt auf Universalgläser. Ich komme gerade von einer Geschäftsreise an der Westküste der USA zurück, wo die angesagten Restaurants und Top-Winzer bereits auf unsere Gläser setzen – auch Europa zieht da immer mehr nach. Die Idee hinter Gabriel-Glas ist, die Komplexität aus der Glaswahl zu nehmen und den Fokus auf den Wein zu legen. Die Nase wird auch bei unterschiedlichen Weinen nicht länger, daher sind physikalisch nur drei Faktoren beim Weinglas wichtig: die Oberfläche des Weins, die Distanz zur Nase und die Öffnung am Rand. Wenn diese eine vollkommene Symbiose bilden, ist das eine perfekte Basis für jeden Wein. In Zeiten, in denen Nachhaltigkeitsthemen, aber auch Personalmangel und Kosteneffizienz immer wichtiger werden, führt am Universalglas kein Weg vorbei. Unser großer Unterschied ist, dass wir das Universalglas nicht als Alternative sehen, sondern uns voll und ganz auf diese Form konzentrieren – 5 Rotweingläser, 3 Weißweingläser und zusätzlich ein Universalglas anzubieten, wäre für uns kein Thema, weil wir hundertprozentig hinter unseren Produkten stehen wollen.
Ihre Gläser sind bleifrei, können in der Spülmaschine gereinigt werden und bieten eine große Elastizität. Wie haben Sie das erreicht?
Höchste Qualität und höchster Genuss sind immer unser Anspruch. Dadurch stellt sich die Frage nach einer Alternative zu bleifreiem Kristallglas gar nicht. Da unsere Gläser auch in der Gastronomie verwendet werden, ist die Möglichkeit zur Reinigung in der Geschirrspülmaschine äußerst wichtig. Diese Eigenschaften sowie die Elastizität kommen direkt von der verwendeten Glasmasse und dem Qualitätsstandard der Fertigung.
Sie bieten zwei Linien: die mundgeblasene ›Gold Edition‹ und ›StandArt‹. Wo liegen die Unterschiede?
Die Gold Edition und das StandArt-Glas unterscheiden sich nur durch die Fertigungsart und das Gewicht. Die Gold Edition ist mundgeblasen und das leichteste in nennenswerten Mengen hergestellte Weinglas der Welt. Das maschinengefertigte StandArt-Glas bietet aber dieselbe Funktionalität bei etwas höherer Robustheit. Beide Arten haben ihre Fans, sowohl in der Gastronomie als auch beim Konsumenten.

Warum ist für die bestmöglichen Weingenussmomente das richtige Glas aus Ihrer Sicht so wichtig?
Zwischen Gaumen und Wein liegt nur das Glas. Das perfekte Glas wirkt wie ein Verstärker, ohne den Wein zu verzerren. Die kleinere Menge im Gabriel-Glas ermöglicht auch, beim Trinken den Blick auf dem Tisch und dem Gegenüber zu behalten, statt an die Decke zu starren. Zudem ist es einfach schön, wenn man das Gabriel-Glas in seinem zeitlosen Design auf dem Tisch stehen hat. Es macht einfach Lust auf mehr Weinerlebnisse!
Wenn man die ideale Form und das ideale Produkt gefunden hat, woran forscht man dann? Was wünschen Sie sich von der Zukunft?
Wir wollen das Gabriel-Glas mehr Menschen zeigen – das ist unsere größte Mission. Wir haben kein Marketingbudget und sind ein vergleichsweise kleines Unternehmen. Wer sich mit Wein auskennt und das Glas in die Hand nimmt, versteht sofort, warum wir so für unser Produkt brennen. Das Ziel ist daher, weiterhin organisch und nachhaltig zu wachsen. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass das Handwerk der Glasbläserin/des Glasbläsers wieder mehr Beachtung und Zulauf findet.
Welchen Wein trinken Sie an Sommertagen am liebsten aus Ihren Gläsern?
Aus unseren Gläsern trinke ich jeden Wein gerne – und manchmal sogar Bier.
Vielen Dank für das Gespräch!
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