
Paul Ziehmer und Claudia Behlendorf sind zwei der führenden Köpfe hinter ›Die Affirmative‹. Das Mainzer Ensemble ist mittlerweile nicht nur europaweit etabliert, sondern mit über 10.000 aktuellen und ehemaligen Kursteilnehmenden auch die größte Improschule Deutschlands. Im früheren Leben studierte Paul Film- und Spielewissenschaften, Claudia ist Juristin mit zwei Prädikats-Examina. Beide entschieden sich dann aber für die Bühne.

Impro als Werkzeug für Alltag und Beruf
Ihre Ausbildung prägt ihr Handeln heute kaum noch, trotzdem sind in ihren Kursen überdurchschnittlich häufig Juristinnen und Juristen anzutreffen, denn auch wenn ihr Fokus auf Comedy liegt, sind Schlagfertigkeit, Witz und ein gewisses Improvisationstalent auch vor Gericht hilfreich. Die neue Zweigstelle in Frankfurt legt den Schwerpunkt deshalb auch mehr auf den beruflichen Kontext. Dort gibt es sogar Kurse für Pilotinnen und Piloten.
Was zunächst paradox klingt, hat einen einfachen Hintergrund: »Impro ist das perfekte Training für den Umgang mit dem Unvorhersehbaren. Genau das macht es so wertvoll für Alltag und Beruf. Viele unserer Schüler wollen nicht auf die Bühne, sondern wieder etwas Lockerheit in ihr Leben bringen. Spontan sein, mit dem arbeiten, was man bekommt, und auch bei Fehlern souverän bleiben – darum geht es. Piloten hilft das tatsächlich dabei, im Ernstfall ruhig und klar zu reagieren«, sagt Paul.

Scheitern mit Humor lernen
Ihren Kursteilnehmenden die Angst vor Spontanität zu nehmen, sehen sie als ihre Hauptaufgabe an. »Scheitern ist zu negativ besetzt«, sagt Claudia. »Dabei scheitern wir dauernd. Irgendwas klappt immer nicht so, wie wir uns das vorstellen. Auf der Improbühne lernt man, trotzdem weiterzumachen. Scheitern mit Humor nehmen, Misserfolge in Erfolge verwandeln, die eigene Leistung nicht dauernd bewerten – das ist der Kern von Impro.«
Erfolge und Zukunftspläne
Dieses Selbstbewusstsein führt sie mittlerweile bis ins Mainzer Unterhaus. Aber ›Die Affirmative‹ macht dort nicht halt: Eine Agentur und viele freundschaftliche Beziehungen zu anderen Ensembles sorgen europaweit für Auftritte. Der Spagat zwischen Kreativität auf der Bühne und organisatorischem Aufwand macht dabei auch ihnen manchmal zu schaffen. »Im Zweifel fällt die Wahl immer auf eine Show«, sagt Claudia. »Dann muss die Steuererklärung eben warten. Wenn ich einen Bürojob wollte, müsste ich wieder als Juristin arbeiten.«

Für die Zukunft gibt es beim Ensemble noch viele Pläne: Sketche fürs Fernsehen, Auftritte im Tatort und neue Formate stehen ebenso auf der Liste wie das Ziel, den deutschen Kleinkunstpreis zu gewinnen. Außer Paul und Claudia sind noch sieben weitere Mitglieder mit Feuereifer dabei, diese Träume umzusetzen. Eines steht dabei fest: Durch Rückschläge werden sie sich nicht entmutigen lassen.
Wer selbst einmal ganz ungezwungen Impro ausprobieren will, besucht am besten eine der Sunday-Sessions.
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