
Diane Benoit du Rey wurde im Jahr 1989 in Versailles geboren und studierte bis 2014 beim École des Arts Décoratifs in Straßburg. Dieses Jahr ist ihr Werk auf den Art Basel Messen in Paris und Miami ausgestellt. Wir waren mit der Künstlerin im Gespräch über ihre Kunst, Techniken und Einflüsse.
Ihre Gemälde spielen mit Licht und Farben auf eine Art und Weise, die mühelos wirkt, doch ihre Anfertigung erfordert viel Präzision. Wie viel des Resultats Ihrer Arbeit entsteht durch Kontrolle, wie viel durch Zufall?
Das ist eine empfindliche Balance zwischen Kontrolle und Spontanität. Ich habe immer eine klare Idee davon, wo ich hingehe, weil ich mit Referenzbildern arbeite, die ich im voraus vorbereite. Diese Bilder liefern eine Art Fahrplan für die Komposition und das Farbschema. Aber wenn ich anfange zu Malen, treffe ich oft Entscheidungen im Moment: wie eine Schicht mit der anderen interagiert, wie ein bestimmter Farbton mit dem Rest verschmilzt oder kontrastiert, wie Licht auf der Leinwand aufzutauchen scheint. Es ist diese Kombination zwischen Vorsatz und Improvisation, die dem Werk seine Lebenskraft gibt: der Rahmen kommt durch Kontrolle, aber die Magie kommt oft davon, intuitiv auf die Farbe selbst zu antworten.
(Englische Originalantwort: It’s a delicate balance between control and spontaneity. I always have a clear idea of where I’m going because I work from reference images that I prepare in advance. These images provide a kind of roadmap for the composition and color schemes. Yet, once I begin painting, many decisions are made in the moment: how a layer interacts with another, how a particular hue blends or contrasts, how light seems to emerge on the canvas. It’s this combination of premeditation and improvisation that gives the work its vitality: the framework comes from control, but the magic often comes from responding intuitively to the paint itself.)

Für Ihre Arbeit haben Sie die Technik der Ölmalerei gewählt, die sowohl technisch als manchmal körperlich anspruchsvoll ist. Was fasziniert Sie an diesem Prozess?
Ich fühle mich tief zur Ölmalerei hingezogen, weil sie mir ermöglicht, die Zeit im Schaffensprozess zu dehnen. Mit Ölfarben kann ich Farbe auftragen, entfernen und über Stunden oder sogar Tage hinweg verändern, wodurch sich Möglichkeiten für Schichtung und Verfeinerung ermöglichen, die andere Medien einfach nicht bieten. Das Arbeiten in Schichten erzeugt ein echtes Gefühl von Tiefe auf der Leinwand, sowohl räumlich als auch emotional. Es gibt mir außerdem die Freiheit, die Leuchtkraft und Sättigung der Farben auf eine Weise zu erkunden, die fast lebendig wirkt. Jede Schicht interagiert mit den darunterliegenden, wodurch Effekte entstehen, die nie ganz vorhersehbar sind, aber stets reichhaltig und nuanciert. In diesem Sinne ist die technische Herausforderung der Ölmalerei auch Teil ihrer Faszination: Sie verlangt Geduld, Aufmerksamkeit und Sensibilität, belohnt aber mit einer Tiefe und Lebendigkeit, die mit keinem anderen Medium erreichbar scheint.
(Englische Originalantwort: I am deeply drawn to oil painting because it allows me to stretch time in the creation process. With oils, I can deposit, remove, and manipulate color over hours or even days, which opens up possibilities for layering and refinement that other media simply don’t allow. Working in layers creates a real sense of depth within the canvas, both spatially and emotionally. It also gives me the freedom to explore the luminosity and saturation of colors in a way that feels almost alive. Each layer interacts with the ones beneath it, producing effects that are never entirely predictable but always rich and nuanced. In this sense, the technical challenge of oil painting is also part of its fascination: it demands patience, attention, and sensitivity, but rewards with a depth and vibrancy that feels almost impossible to achieve with any other medium.)

Im Verlauf Ihrer Karriere haben Sie mehrere Künstlerresidenzen absolviert, unter anderem in der Bretagne und in Kenia. Wie haben diese Erfahrungen Ihre künstlerische Praxis geprägt?
Residenzen sind entscheidend für meine künstlerische Praxis gewesen, weil sie mich in völlig neue Umgebungen versetzen, mit anderem Licht, Landschaften und visuellen Eindrücken. Mit diesen Veränderungen konfrontiert zu werden, fordert mich dazu heraus, mich anzupassen, genauer zu beobachten und meine Arbeit manchmal in unerwartete Richtungen zu lenken. In der Bretagne beeinflussten die Lichtqualität über dem Meer und die wechselnden Wetterverhältnisse die tonalen und atmosphärischen Eigenschaften meiner Gemälde. In Kenia bot die Intensität der Farben und die Lebendigkeit der natürlichen Landschaft eine ganz andere Art visueller Energie. Diese Erfahrungen bereichern nicht nur den Inhalt meiner Arbeit, sondern erweitern auch meinen künstlerischen Ansatz; sie ermutigen mich, zu experimentieren und in Echtzeit auf neue Umgebungen zu reagieren.
(Englische Originalantwort: Residencies have been pivotal for my practice because they place me in entirely new environments, with different light, landscapes, and visual stimuli. Being confronted with these changes challenges me to adapt, to observe more carefully, and sometimes to push my work in unexpected directions. In Brittany, the quality of light over the sea and the shifting weather patterns influenced the tonal and atmospheric qualities of my paintings. In Kenya, the intensity of color and the vibrancy of the natural landscape offered a completely different kind of visual energy. These experiences don’t just enrich the content of my work; they also expand my approach, encouraging me to experiment and respond in real time to new surroundings.)
Sie haben zuvor erwähnt, dass Sie zunächst eher klassisch und beobachtend gemalt haben. Wie kam es dazu, dass Sie sich der Abstraktion zugewandt haben?
Ja, ich begann meine Malpraxis in einem eher klassischen und beobachtenden Modus, mit Fokus auf Landschaften und Porträts. Mit der Zeit wurde mir jedoch klar, dass mich weniger die dargestellten Motive selbst faszinierten, sondern vielmehr die Hintergründe, die weiten Flächen und die Räume um sie herum. Nach und nach traten die Figuren und Objekte, die ich zunächst malte, in den Hintergrund, und ich begann, mich von den Zwängen der Gegenständlichkeit zu lösen. Dieser Wandel ermöglichte es mir, mich vollständig auf Farbe, Licht und Atmosphäre zu konzentrieren. Abstraktion entsteht auf natürliche Weise als Mittel, das emotionale und visuelle Potenzial der Leinwand zu erkunden, einen Dialog mit der Farbe selbst zu führen und den Betrachter in einen Raum einzuladen, der intuitiver und sinnlicher ist.
(Yes, I began my painting practice in a more classical, observational mode, focusing on landscapes and portraits. But over time, I realized that what truly fascinated me was not the subjects themselves, but the backgrounds, the vast expanses, and the spaces surrounding them. Gradually, the figures and objects I initially painted became less important, and I started to let go of representational constraints. This shift allowed me to focus entirely on color, light, and atmosphere. Abstraction emerged naturally as a way to explore the emotional and visual potential of the canvas, to create a dialogue with color itself, and to invite the viewer into a space that is more intuitive and sensory.)

Für Ihre Kunstinstallation ›Hypnose‹ haben Sie ein Werk aus farbigem Sand geschaffen, das sich hervorragend in den umgebenden Raum eingefügt hat. Welche Herausforderungen brachte es mit sich, von Ihrem üblichen Medium abzuweichen?
Die Arbeit mit farbigem Sand brachte sowohl technische als auch wahrnehmungsbezogene Herausforderungen mit sich. Die Installation musste sich nahtlos in den Raum einfügen und gleichzeitig mit den bereits vorhandenen Gemälden in Resonanz treten. Außerdem wollte ich, dass sie je nach Blickwinkel des Betrachters verschiedene Geschichten erzählt: sei es vom Boden aus oder von oben. Technisch war es eine Herausforderung, fließende Farbübergänge zu schaffen: weil die Pigmente sorgfältig mithilfe eines Siebs auf den Sand aufgetragen werden, um die gewünschte Tiefe und Harmonie zu erzielen. Es war ein anspruchsvoller, aber faszinierender Prozess, der mich dazu brachte, Farbe, Raum und das Erlebnis der Betrachtenden völlig neu zu überdenken.
(Working with coloured sand brought both technical and perceptual challenges. The installation had to integrate seamlessly with the space and resonate with the existing paintings. I also needed it to tell different stories depending on the viewer’s perspective: whether from ground level or from above. Technically, creating smooth color transitions was tricky, as I had to apply pigments carefully over the sand with a sieve to achieve the desired depth and harmony. It was a demanding but fascinating process that pushed me to rethink color, space, and viewer experience.)
Vielen Dank für das Gespräch.
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