Auge für das Besondere

Die international bekannte Fotografin Fee-Gloria Grönemeyer ist gebürtige Wiesbadenerin, lebt heute in einem kleinen französischen Dorf und ist für ihre Arbeit in der ganzen Welt zu Hause. Mara von Zitzewitz im Gespräch mit der Fotografin unseres Titelthemas über die künstlerische Praxis, aktuelle Trends der Szene und den Reiz des Rhein-Main-Gebiets.

Liebe Fee-Gloria, wie kamst du zur Fotografie?

Während meiner Zeit in New York habe ich viele interessante Fotografinnen kennengelernt, die mich motiviert haben, die Kamera selbst in die Hand zu nehmen. Zurück in Deutschland, begann ich, meine engen Freund*innen zu fotografieren. Durch Instagram wurden verschiedene Modemagazine auf mich aufmerksam. Daraufhin bekam ich erste Aufträge, die Fashion Weeks in New York, Paris und London zu dokumentieren. 

Nach ein paar Jahren wurde mir der Modezirkus aber zu viel. Um ein wenig Abstand von alldem zu bekommen, reiste ich nach Thailand und setzte mit lokalen Kreativen verschiedene persönliche Projekte um. Während dieser Phase entstanden auch die Fotos, die nun in VivArt gezeigt werden. 

Was begeistert dich am Medium? 

Ich finde Fotografie großartig. Fotografie ist eines der künstlerischen Medien, die fast allen Menschen zugänglich sind. Entweder durch ein Smartphone oder eine kleine Kamera. Ich persönlich fotografiere fast nur noch analog, da ich den Prozess lieben gelernt habe. Alle am Set müssen eng zusammenarbeiten und sich gegenseitig vertrauen, wenn zunächst nur die Fotografin die Bilder sehen kann.  

Wie hat sich deine künstlerische Praxis verändert? 

Durch die Pandemie hat sich bei mir einiges verändert. Anfang 2020 zogen mein Partner und ich aufs Land. Geplant war, ein paar Monate zu bleiben, jetzt ist es unser Zuhause. Hier habe ich gelernt, mein Umfeld mehr wertzuschätzen und die Inspiration zu mir kommen zu lassen, anstatt ihr hinterherzurennen. Ich arbeite heute selektiver und setze Projekte nur dann um, wenn ich mich mit den Themen identifizieren kann. Aktuell beschäftigen mich unter anderem: Migration, unser Umgang mit der Natur und wie Frauen in unserer Kultur wahrgenommen wurden und werden.

Heute bietest du deine Arbeiten auch als NFTs (Non-Fungible Tokens) an. Welchen Stellenwert haben NFTs für dich und welche Möglichkeiten bieten sie Kreativen?

NFTs sind ein schwieriges Thema. Letztes Jahr wurde ich vom British Journal of Photography gefragt, fünf meiner Bilder als NFTs anzubieten. Zu dem Zeitpunkt hatte ich wegen des hohen Energieaufwands von Kryptowährungen bereits meine Bedenken. Daraufhin wurde mir Polygon vorgestellt, eine Version von Ethereum, die angeblich weniger Energie verbrauchen sollte. Überzeugt von dieser Währung, erstellte ich meine ersten NFTs. Leider hat sich herausgestellt, dass dies nur leere Versprechen waren und Polygon kaum Energie einsparen konnte. Für Künstler*innen sind NFTs insofern interessant, als sie nicht nur bei dem Erstverkauf eines Werks etwas verdienen, sondern auch bis zu 10% des Wiederverkaufswerts. Damit können Künstler*innen auch endlich von der Wertsteigerung profitieren. Ich bin überzeugt, dass NFTs Potenzial haben, die Technologie ist nach meiner Meinung leider noch nicht da.

In unserer Titelstory geht es um Mode und Stil. Welche Rolle spielt Mode in deiner Arbeit? 

Tatsächlich liegt der Fokus meiner Arbeit nicht mehr auf der Mode. Primär geht es mir darum, Geschichten zu erzählen. Die Mode kann diese unterstreichen, bildet aber nicht das Hauptelement. Viele Kreative, mit denen ich zusammenarbeite, teilen diese Ansicht. Wir wollen Werke kreieren, die von Modetrends unabhängig sind. 

Frankfurt wurde jüngst zur neuen Fashion-Metropole gekürt. Wie nimmst du das Rhein-Main-Gebiet in dieser Beziehung wahr?  

Ich muss zugeben, dass ich in den letzten Jahren nur wenig in Frankfurt war (hauptsächlich am Flughafen oder Bahnhof). Da ich jetzt wieder näher wohne, entdecke ich Frankfurt auf ein Neues. Eines meiner präferierten Fotolabore, ›On Film Lab‹, sitzt dort, genauso wie viele Kreative, die ich sehr schätze. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Frankfurt in der Zukunft ein Hub für Kreative werden kann. Ich freue mich zu sehen, wie sich die Stadt entwickeln wird. 

Vielen Dank für das Gespräch!

Reset for Le Mile Magazine June 2020
Fotografin: Fee-Gloria Grönemeyer
Styling: Neslihan Degerli
Assistants: Enlil Isik, Mimi Langenstein
Production: Lars Alexander Beppler
Tänzer: Baum-Shot: Miyuki Shimizu
Herz-Shots: Adrián Ros Serrano
Gruppen-Shot: Marcos Novais, Rita Winder,
Léonard Schindler, Inés Bianca Zatonski

feegloria.net


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